| Zurück | ||
|
Vereinschronik Verein Nordhausen |
||
|
Mehr als 100 Jahre Kanarienzucht in Nordhausen Der "Kanarienzuchtverein von Nordhausen am Harz und Umgebung" wurde 1888 gegründet. Die erste schriftliche Erwähnung des Vereins fanden wir in den "St. Andraesberger Blättern für Kanarienzucht- und Handel" Göttingen vom 1. Januar 1907. Die früheste erhaltene Mitgliederliste vom 1.9.1930 zeigt, dass 18 Mitglieder und 3 Ehrenmitglieder dem Verein angehörten. Aus den Protokollbüchern, die ab 1930 erhalten sind, ist außerdem zu erfahren, dass auch während des 2. Weltkrieges stets 1 bis 7 Versammlungen pro Jahr stattfanden und dass das Vereinsleben nicht zum Erliegen kam. Im Jahr 1938 wollten die Züchter das 50 jährige Jubiläum der Gründung feiern, was aber an der Kassenlage scheiterte. Die Mitgliedsbeiträge von 75 Pf. pro Monat waren zu sehr in Rückstand geraten. In den Protokollen aus dieser schweren Zeit, spielte die Futterfrage auch immer wieder eine große Rolle. Deshalb forderte der Vorsitzende die Züchter auf, ihre Zuchten zu erhalten, aber sie möglichst klein zu belassen. Nach den erhalten gebliebenen Unterlagen, führte der Verein jährlich eine Tischbewertung durch und die Sieger sind, ausgenommen 1936, bekannt. Erst in den letzten 20 Jahren, als die Zahl der Gesangskanarienzüchter immer mehr abnahm, wurden die Vereinssieger bei anderen Bewertungen ermittelt. Wenn man die Protokolle der Versammlungen von 1930 bis zum Ende des 2. Weltkrieges und der schweren Nachkriegszeit liest, spürt man, mit wie viel Liebe und Einfallsreichtum die Mitglieder ihre Zuchten erhalten haben. Auch wurde von den Preisrichtern immer wieder betont, der Verein könne stolz auf solch gute Vögel sein, da ihnen selten Material in dieser Qualität vorgestellt würde. Im April des Jahres 1945 traf den Verein ein harter Schlag. Der Kassierer Karl Barge und etliche andere Züchter kamen bei einem Bombenangriff auf Nordhausen ums Leben. Das ganze Vermögen des Vereins, Bargeld, Sparkassenbuch, Ausstellungskäfige und vieles mehr war weg. Auf Beschluss der Versammlung zahlte jedes Mitglied 10 Reichsmark in die Kasse, so dass dem neuen Kassierer 200 RM übergeben werden konnten. In den folgenden Jahren traten neue Züchter dem Verein bei und bald waren es 50 Zuchtfreunde, die sich Sonntags im Vereinslokal "Friedenseiche" in Nordhausen-Salza zu ihren Versammlungen trafen. Leider benutzten einige Züchter den Verein nur, um an Futter und Ringe zu kommen. Am Vereinsleben nahmen sie selten teil. Im April 1950 lesen wir, beim Vortrag des Vorsitzenden: "Wer die Kanarienzucht mit der Absicht anfängt, sich einen materiellen Vorteil zu verschaffen, der irrt sich, denn es ist ein Sport, eine Liebhaberei". So war es immer ein harter Kern von engagierten Züchtern, der den Verein zusammenhielt und vorwärts brachte. In der Nachkriegszeit gab es keine übergeordnete Organisation, das endete 1953 mit dem Beitritt zu der Massenorganisation "Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter". Erfolge stellten sich auch ein. 1953 bis1956 und 1958 wurden die Züchter Karl Günther aus Nordhausen Salza (zweimal) und Walter Schwarz aus Oberdorf (dreimal) DDR-Meister und auch den silbernen Pokal für die drei besten Züchter bekam der Verein verliehen. Hier zahlte sich die gute Vereinsarbeit aus. In jeder Versammlung wurde ein Vortrag über verschiedene Themen der Kanarienzucht gehalten. Es wurden so oft wie möglich Kollektionen zur Vorführung gebracht und die guten Gesangsturen und kleine Fehler erläutert. Zu dieser Zeit, zwischen 1950 und 1960 war der Verein Nordhausen einer der größten und besten in der DDR. Die Preisrichter empfanden es als eine große Ehre, in Nordhausen richten zu können. So steht es geschrieben in einem Bericht aus dem Jahr 1958 zum 70 jährigen Bestehen des Vereins. Nach dieser Zeit nahm der Verein keine Spitzenposition mehr ein. Hin und wieder wurde ein Zuchtfreund Thüringenmeister oder errang einen guten Platz bei DDR Meisterschaften, mehr konnte nicht erreicht werden. 1960 wurde das Vereinslokal "Friedenseiche" geschlossen und man hielt die Versammlungen nun im "Barfüßertor" in Nordhausen ab. Zu dieser Zeit waren es 55 Zuchtfreunde, die dem Verein angehörten. 1968 kamen zu den Gesangskanarien die ersten Farbvögel zur Tischbewertung und die Zahl der Farb- und Mischlingszüchter nahm zu, die Gesangszüchter jedoch wurden immer weniger. Bis 1980 sank die Mitgliederzahl auf 20 ab, je zur Hälfte Gesang- und Farbzüchter. Auch musste das Vereinslokal mehrfach gewechselt werden, teilweise wurden die Versammlungen in Pausenräumen von Schulen abgehalten und auch die Tischbewertungen fanden dort statt. Mit der friedlichen Revolution in der DDR und der Wiedervereinigung kamen viele Neuerungen auf uns zu. Als am 26.5.1990 der Landesverband Thüringer Vogelzüchter im DKB gegründet wurde, war auch unser Verein mit dabei. Leider sank die Zahl unserer Mitglieder weiter und schwankte zwischen 10 und 15. Trotzdem nahmen unsere Züchter immer an den jährlichen Landesverbandsmeisterschaften mit großen Erfolgen teil. Als die 58. Deutsche Meisterschaft vom 7.1. bis 8.1.2006 in Erfurt stattfand, betätigten sich sechs von den sieben Züchtern, aus denen der Verein noch bestand, als Helfer bei der Ausstellung in den Messehallen. Sie fütterten und tränkten die Vögel, reinigten den Fußboden und trugen den Zuchtrichtern die zu bewertenden Vögel zu. Zum Schluss bauten sie noch die Regale ab. Es war für alle eine schöne Zeit, in der sie viele wertvolle Erfahrungen sammeln konnten. 2008 waren wir nur noch sechs Züchter im Kanarienzuchtverein Nordhausen. Jährlich fanden acht Versammlungen statt und wir traten auf den Landesmeisterschaften mit anderen Vereinen in Wettstreit. Heute, im Jahre 2011, sind fünf neue Züchter in unseren Verein eingetreten und wir schauen der Zukunft für die Nordhäuser Kanarienzüchter wieder ein wenig hoffnungsvoller entgegen. Mit dem Elan der neuen Zuchtfreunde und dem Durchhaltevermögen der langjährigen Mitglieder wollen wir 2011 eine Landesverbandsmeisterschaft in Sundhausen durchführen, um all die vielen Züchter zu Ehren, die in den 123 Jahren unseres Bestehens dazu beigetragen haben, unseren schönen Sport zu erhalten. Reimund Keichel, Schriftführer, "Kanarienzuchtverein Nordhausen" |
||
| Zurück | ||